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As the resident artist at EcoHealth, my verse these days finds inspiration in the specter of future pandemics; for my dissertation at Amerika-Institut of LMU München, where I edit a weekly circular of U.S. poetry, I'm anatomizing the prosody of E. A. Robinson's sonnets—I also teach English and tutor composition.

20150118

Das Geschwätz in der Bedürfnisanstalt in der Schellingstraße

von Joachim Ringelnatz

Heute wurde Geld eingesammelt,
Wo ich angestellt bin, in dem Büro,
Für die Frau von jemand, der sich erhängte.
Eine Büchse ging rum. Und jeder schenkte.
Drei Mark; das ist bei uns immer so.


Es braucht niemand zu wissen, wodran ich bin.
Ich habe das Geld meiner Mutter gestohlen.

Ich habe noch gestern acht Mark für Kohlen
Bezahlt. Und die Alte stumpft doch bloß so hin.
Und bei ihrer Schwindsucht und sowieso
Kann es ja doch nicht mehr lange währen.
Ich kann auch nicht ewig fünf Menschen ernähren
Bei der Arbeit in dem Büro.


Ich möchte mal wieder eine Muhsik hören;
Das stimmt einen wieder mal froh.


Note:  A recitation can be heard here.

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